Über Tatjana Kpunkt
Tatjana Kpunkt (*1992, Ak-Suu, Kirgisien) ist eine in Süddeutschland lebende zeitgenössische Porträtmalerin, deren Werk das psychologische Innenleben des Menschen in einer konzentrierten, reduzierten Malweise sichtbar macht. Mit absoluter Hingabe widmet sie sich der figurativen Porträtkunst. Jede Linie, jede Farbwahl und jede Licht-Schatten-Relation folgt einer doppelten Funktion: ästhetischer Präsenz und tiefer emotionaler Resonanz.
Was Tatjana besonders auszeichnet, ist die intelligente Verbindung von psychologischer Expertise und künstlerischer Sensibilität. Durch ihren akademischen Hintergrund als MSc. in Psychologie gelingt es ihr, Porträtmalerei nicht nur als visuelle Repräsentation, sondern als psychologische Entfaltung von Identität, Beziehung und innerer Spannung zu begreifen. Diese Perspektive verleiht ihren Arbeiten eine vielschichtige Präsenz. Jede Figur erscheint als eigenständiger psychischer Raum.
Ihre künstlerische Praxis ist gleichermaßen dialogisch wie handwerklich anspruchsvoll: Tatjana sucht bewusst den Austausch mit Sammler:innen, Galerist:innen und Kenner:innen, weil sie Kunst nicht nur als Objekt, sondern als soziale Erfahrung versteht. Diese Haltung spiegelt sich in ihrer eigenständigen Organisation von Kunst-Events, Live-Paintings und offenen Atelierformaten wider: Formate, die bewusst Schwellen abbauen sollen.
Ihr Weg zur Malerei begann bereits in jungen Jahren, angetrieben von der Faszination für Menschen, Ausdruck und Persönlichkeit. In kürzester Zeit entwickelte sie eine eigene, bemerkenswerte Handschrift: reduziert im Einsatz von Farbe, bedacht im Umgang mit Licht und Schatten, sorgfältig in jeder Linie. Ihre Werke entstehen in einem langsamen, reflektierten Prozess, bei dem Intuition und technische Disziplin gleichermaßen ihren Platz haben.
Die Arbeiten von Tatjana Kpunkt richten sich bewusst an anspruchsvolle Sammler und Investoren, die zeitloses Handwerk, emotionale Tiefe und langfristige Wertbeständigkeit schätzen. Mit ihrer auf das Wesentliche reduzierten, nüchtern-luxuriösen Bildsprache verfolgt Tatjana keine flüchtigen Trends. sondern dauerhafte künstlerische Werte, die wirken und bestehen.
Frühere Ausstellungen
Juni 2023 - Gruppenausstellung "Alles so schön bunt hier!"
temporäre Zwischennutzung des ehemaligen Autohaus Kundrath in Biberach an der Riß unter Leitung von Constanze Dall
August bis November 2024 - Einzelausstellung und Live Painting
im "Sinnesort" in der Bleicherstraße, Biberach an der Riß
September 2024 - Doppelausstellung "PainThings"
Doppelausstellung anlässlich der Eröffnung des VINOTHEUM Biberach, in Zusammenarbeit mit Viktor Rosin
November 2024 bis Januar 2025 - Museum Biberach
Teilnahme an der Mitgliederausstellung des Kunstvereins Biberach zum Thema "Bewegung".
September 2025 - VINOTHEUM Biberach
Ausstellung anlässlich des einjährigen Jubiläums des VINOTHEUM am Marktplatz in Biberach
seit Januar 2025 - VINOTHEUM Biberach
zeigt das VINOTHEUM in seinem Lager in Biberach (Steigmühlstraße 34) fortlaufend wechselnde Arbeiten aus dem Atelierprozess von Tatjana Kpunkt.
Dezember 2025 bis Januar 2026 - Städtische Galerie Ehingen
Teilnahme an der offenen Ausstellung der Kunstfreunde Ehingen zum Thema MENSCH
Zentrale Serien und FAQ
Broken Portraits
Die Serie Broken Portraits entstand 2023 und ist ein fortlaufendes Projekt.
In den Arbeiten setze ich mich mit Brüchen im Selbstbild und in zwischenmenschlichen Beziehungen auseinander. Die Porträts zeigen Gesichter, die fragmentiert, verschoben überlagert bis hin zu beschädigt erscheinen.
Die Malweise bewegt sich zwischen realistischer Darstellung und bewusster Zerstörung von Form. Was zunächst wie ein Riss oder eine Verletzung wirkt, öffnet zugleich einen Raum für Mehrdeutigkeit: Was bleibt sichtbar, was wird ausgelöscht, was entsteht im Prozess neu?
Broken Portraits thematisiert Verletzlichkeit, Heimatlosigkeit und Identität, den Dialog zwischen Nähe und Distanz sowie die Fragilität unserer Wahrnehmung von uns selbst und anderen.
Numbing rage - Burning hatered
Numbing rage - burning hatred ist eine minimalistische Bildserie, in der sich grobe, schwarze Pinselstriche mit gezielten orangenen Akzenten verbinden. Letztere symbolisieren emotionale Ausbrüche, die sich ihren Weg bahnen, auch wenn sie zunächst unterdrückt bleiben sollten. Die Porträtierten wirken gefühlsarm: traurig, taub, beinahe arrogant. Diese Ästhetik spiegelt jene Momente wider, in denen Wut und Trauer ineinandergreifen, Gefühle, die nicht nach Schema F funktionieren.
Als Frau habe ich häufig erlebt, meine Wut nicht offen zeigen zu dürfen. Stattdessen, glomm sie tief im Inneren, während ich nach außen erschöpft, abgestumpft oder gebrochen wirkte. In dieser Serie wurde jene aufgestaute Wut zu einem inneren Feuer. Nicht explosiv, aber beständig brennend aber schließlich sichtbar, durch die sporadisch aufleuchtenden orangen Details.
Hier geht es darum, Emotionen nicht zu verurteilen oder zu isolieren, sondern sie zuzulassen. Selbst jene, die unbequem sind. Denn jene Gefühle, die wir unterdrücken, wirken wie glühende Kohlen: bleiben sie unterdrückt, verbrennen wir von innen.
Numbing rage - burning hatred steht für emotionale Bewältigung, Perspektivverschiebung und ein Verfahren des Zulassens: Wut ist weder feindlich noch destruktiv, sie findet ihren Platz. Schroff, roh, persönlich.
Subtext
Die Serie Subtext begann 2023 mit dem Werk "Augenhöhe", einem Porträt meiner Tochter, das die Beziehung zwischen Mutter und Kind, zwischen Autorität und Gleichberechtigung, zwischen Realität und Fantasie sichtbar machte. Aus diesem Ursprung entwickelte sich eine Reihe von Selbstporträts, die das Spannungsfeld zwischen äußerer Erscheinung und innerer Stimme, zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit erforschen.
Die Porträts treten aus einem tiefschwarzen Hintergrund hervor. Erst auf den zweiten Blick zeigen sich dort kaum erkennbare Einschreibungen: Skizzen, Fragmente, Notizen, Gedanken, Spuren, die in die Schwärze hinein gekritzelt und beinahe ausgelöscht wirken. Diese visuelle Strategie macht das Unsichtbare erfahrbar. Was zunächst verborgen bleibt, wird bei genauem Hinsehen sichtbar: das Unausgesprochene, das Verdrängte, das Unbewusste.
Subtext ist ein Projekt über das, was Menschen begleitet, aber selten ausgesprochen wird. Im Porträt meiner Tochter sind es die kindlichen Zeichnungen, die sich spielerisch in den Hintergrund einschreiben und eine zweite Bedeutungsebene eröffnen. In den Selbstporträts sind es meine eigenen Gedanken und Fragmente, die ein Geflecht von Innerlichkeit bilden und meine Suche nach Identität, Rolle und Selbstverständnis sichtbar machen.
Die Serie verbindet intime Nähe mit existenzieller Distanz. Sie fragt: Was liegt hinter dem Bild, was bleibt zwischen den Zeilen? Subtext lädt ein, genau hinzusehen und die Spuren, die auf den ersten Blick unsichtbar bleiben, als gleichwertigen Teil des Bildes zu begreifen.
Warum Kpunkt?
"Kpunkt" leitet sich vom bürgerlichen Namen Tatjana Kiene Ulbricht geborene Kelm ab, der ich in dieser Form abgewandelt und "auf den Punkt gebracht" wird. Der Name "Tatjana Kpunkt" ist daher mehr als nur ein Künstlername. Er symbolisiert die Synthese zwischen meiner Herkunft und meinem Wunsch nach Selbstbestimmung: ein Name unabhängig von der Identitätsstiftung durch Vater oder Ehemann.
Biografischer Hintergrund
1992 in Ak-Suu (Kirgisien) geboren, migrierte ich 1999 als das sechste von insgesamt zwölf Kindern nach Deutschland, wo ich zunächst in der Kulturstadt Weimar bis 2012 unter schwierigsten sozio-ökonomischen Bedingungen aufwuchs. Wie unzählige Spätaussiedler:innen begleitete meine Familie seit Generationen die Suche nach Heimat und damit der Widerspruch zwischen Freiheit und gebunden Sein. Seit frühester Kindheit finde ich in der Welt der bildenden Kunst, des Theaters, der Musik und Literatur Zuflucht. Das autoritäre, regelgetreue, perfektionistische Denken meiner Kinderstube begleitet dennoch auch heute mein künstlerisches Schaffen und meine Person.