"Augenhöhe" von Tatjana Kpunkt, eine Detailaufnahme des künstlerischen Werks. Ein Porträt, lebensgroß von der Tochter der Künstlerin, aus der Serie "Subtext" von Tatjana Kpunkt.

Subtext

Die "Subtext" Serie begann 2023 mit dem Werk "Augenhöhe", einem nahezu fotorealistischen Porträt meiner Tochter, das die Beziehung zwischen Mutter und Kind, zwischen Autorität und Gleichberechtigung, zwischen Realität und Fantasie sichtbar machte. Inzwischen entwickelte sich "Augenhöhe" zu einem Triptychon weiter und erzählt nun die Geschichte einer Tochter, ihrer Mutter und der täglichen Herausforderung des Loslassens.

Aus diesem Ursprung erwuchs weiterhin eine Reihe von (Selbst-)Porträts, die das Spannungsfeld zwischen äußerer Erscheinung und innerer Stimme, zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit erforschen.

Die Porträts treten aus einem tiefschwarzen Hintergrund hervor. Erst auf den zweiten Blick zeigen sich dort häufig kaum erkennbare Einschreibungen: Skizzen, Fragmente, Notizen, Gedanken, Spuren, die in die Schwärze hinein gekritzelt und häufig wieder ausgelöscht oder übermalt werden. Diese visuelle Strategie macht das Unsichtbare erfahrbar. Was zunächst verborgen bleibt, wird bei genauem Hinsehen sichtbar: das Unausgesprochene, das Verdrängte, das Unbewusste. Die Skizzen und Einkerbungen, die unterschiedlich dick und glänzend aufgetragenen Schwarztöne im Hintergrund werden häufig erst bei der Interaktion mit den Bildern durch Umschreiten, Hinknien oder im Tagesverlauf durch unterschiedlichen Lichteinfall sichtbar.

"Subtext" ist ein Projekt über das, was Menschen begleitet, aber selten ausgesprochen wird. Im Porträt meiner Tochter sind es die kindlichen Zeichnungen, die sich spielerisch in den Hintergrund einschreiben und eine zweite Bedeutungsebene eröffnen. In den Selbstporträts sind es meine eigenen Gedanken und Fragmente, die ein Geflecht von Innerlichkeit bilden und meine Suche nach Identität, Rolle und Selbstverständnis sichtbar machen.

Die Serie verbindet intime Nähe mit existenzieller Distanz. Sie fragt: Was liegt hinter dem Bild, was bleibt zwischen den Zeilen? Subtext lädt ein, genau hinzusehen und die Spuren, die auf den ersten Blick unsichtbar bleiben, als gleichwertigen Teil des Bildes zu begreifen.

Das Gemälde Broken Portrait von Tatjana Kpunkt entstand über den Zeitraum von 9 Monaten im Jahr 2024. Hier ist eine Frontalansicht hiervon zu sehen. Es zeigt eine nahezu fotorealistische Büste einer weiblichen Figur vor dunklem, türkis blauem Hintergrund der teilweise in Form von Fragmenten das Porträt überlagert. Die Ebenen zwischen Vorder- und Hintergrund scheinen sich zu überlappen und zu wechseln. Die Kanten und Grenzen des Porträts zeigen Fragmente, Brüche und Risse wie aus Stein, zerrissenem Papier.

Broken Portraits

Die "Broken Portraits" entstanden 2023 und sind seither ein fortlaufendes Projekt. In den Arbeiten setze ich mich mit Brüchen im Selbstbild, der Biografie und in zwischenmenschlichen Beziehungen auseinander. Die Porträts zeigen Gesichter, die fragmentiert, verschoben überlagert bis hin zu beschädigt erscheinen. Häufig werden auch Meisterstudien als täuschend echte Fetzen und Schnipsel gemalt. Sie stellen sinnbildlich den schwierigen Versuch dar, als Autodidaktin einen Zugang zur Kunstgeschichte zu finden: verstreut und unvollkommen.

Die Malweise bewegt sich hier zwischen realistischer Darstellung und bewusster Zerstörung von Form. Was zunächst wie ein Riss oder eine Verletzung wirkt, öffnet zugleich einen Raum für Mehrdeutigkeit: Was bleibt sichtbar, was wird ausgelöscht, was entsteht im Prozess neu? Die "Broken Portraits" thematisieren Verletzlichkeit, Heimatlosigkeit und Identität, den Dialog zwischen Nähe und Distanz sowie die Fragilität unserer Wahrnehmung von uns selbst und anderen.

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Numbing Rage - Burning Hatered

"Numbing rage - burning hatred" ist eine minimalistische Bildserie, in der sich grobe, schwarze Pinselstriche mit gezielten orangenen Akzenten verbinden. Letztere symbolisieren emotionale Ausbrüche, die sich ihren Weg bahnen, auch wenn sie zunächst unterdrückt bleiben sollten. Die Porträtierten wirken gefühlsarm: traurig, taub, beinahe arrogant. Diese Ästhetik spiegelt jene Momente wider, in denen Wut und Trauer ineinandergreifen, Gefühle, die nicht nach Schema F funktionieren.

Als Frau habe ich häufig erlebt, meine Wut nicht offen zeigen zu dürfen. Stattdessen, glomm sie tief im Inneren, während ich nach außen erschöpft, abgestumpft oder gebrochen wirkte. In dieser Serie wurde jene aufgestaute Wut zu einem inneren Feuer. Nicht explosiv, aber beständig brennend aber schließlich sichtbar, durch die sporadisch aufleuchtenden orangen Details.

Hier geht es darum, Emotionen nicht zu verurteilen oder zu isolieren, sondern sie zuzulassen. Selbst jene, die unbequem sind. Denn jene Gefühle, die wir unterdrücken, wirken wie glühende Kohlen: bleiben sie unterdrückt, verbrennen wir von innen.

"Numbing rage - burning hatred" steht für emotionale Bewältigung, Perspektivverschiebung und ein Verfahren des Zulassens: Wut ist weder feindlich noch destruktiv, sie findet ihren Platz. Schroff, roh, persönlich.

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